Tag 0 - Der Plan
Idee und Vorbereitung
Seit Anfang der Corona-Pandemie habe ich das Fahrradfahren für mich entdeckt, angefangen von kurzen Ausflügen über mehrtägige Touren bis hin zu einer zweiwöchigen Tour entlang der Nordseeküste in Deutschland und den Niederlanden diesen Frühling mit meiner Freundin. Diesen Sommer 2022 wartet mein bis Dato größtes Solo-Projekt auf mich: Ich fahre 4 Wochen lang entlang der North Sea Cycle Route durch England und Schottland. England hat mich immer schon gereizt und ich war auch schon viele Wochen dort, Schottland möchte ich unbedingt einmal sehen! Außerdem kann ich (hoffentlich) im Norden ein bisschen der Sommerhitze entfliehen. Dafür gibt es Regen, aber wie man so schön sagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung.
Die Tour verläuft von Dover im Süden Englands entlang der Ostküste bis Edinburgh entlang des Eurovelo12, der Teil von dem wunderbaren europaweiten Fernradwegnetzwerk ist (Eurovelo). Von dort folge ich dem Lochs and Glens North-Radweg durch die Highlands bis Inverness im Norden Schottlands.
In Summe etwa 2000km (wobei die Zahl erfahrungsgemäß um einiges größer werden wird) und 12.000 Höhenmeter.
Im vergangenen Frühjahr habe ich begonnen mir ernsthaft Equipment zu kaufen: Ein Tourenrad, gute Taschen, ein Zelt und Isomatte und natürlich Kochequipment. Jetzt fühle ich mich gut ausgerüstet für ein längeres Abenteuer, denn ob man dann eine oder zehn Wochen unterwegs ist ändert nur wenig am Gepäck - man hat alles dabei was man zum Leben braucht!
Anreise/Rückreise:
Das ist das wirkliche Abenteuer bei der ganzen Geschichte. Wie kommt man mit Fahrrad und Gepäck von Österreich nach England? Fliegen wollte ich nicht, also bleibt nur Bus oder Zug. Busse habe den Vorteil, dass sie gemessen an den Sitzplätzen mehr Fahrradplätze haben, und oft große Städte verbinden. Aber leider sind sie nicht sonderlich bequem. Es gäbe einen Flixbus nach Paris, aber da sitzt man einen ganzen Tag im Bus und ist noch immer nicht am Ziel. Zugfahren ist zwar bequemer, aber wer schon einmal versucht hat ein Rad mitzunehmen weiß, dass die Reservierung der Radplätze ein großes Problem darstellt - besonders bei langen internationalen Reisen. Verpasst man einen Anschluss sind alle Reservierungen futsch. Die Lösung: Das Rad zerlegen und als Gepäckstück mitnehmen. Es gibt eigene Fahrradtaschen, die müsste ich dann aber auf der Tour mitnehmen. Fahrradkartons schützen das Rad gut, aber sind sehr unhandlich, und ich weiß nicht wie begeistert die Schaffner davon sind. Also bleibt es bei der guten alten Luftpolsterfolie, Wickelfolie und Duct-Tape. Die Taschen haben Tragegurte, also bin ich halbwegs mobil.
Ich fahre zuerst mit dem Nightjet direkt nach Paris, dann nehme ich einen Zug nach Calais (die französische Hafenstadt am Ärmelkanal) und quere mit einer Fähre nach Dover.
Dauer: circa 20 Stunden. Kosten: 135€
Die Rückreise wollte ich ursprünglich auch mit dem Zug machen, aber von Nordschottland bis Österreich ist ein weiter Weg mit vielen Umstiegen und mehreren Tagen Fahrzeit. Da kann viel schiefgehen! Deswegen habe ich mich schweren Herzens doch für den Flug von Edinburgh nach Wien entschieden - das Fahrrad kann man relativ unkompliziert für 100€ als Sportgepäck dazubuchen. Kosten: 300€
Vorbereitungen:
Vorarbeit gibt es genug: Genaue Routenplanung, Orte die ich besuchen will recherchieren, Reiseversicherung abschließen, Züge und Flüge buchen, letzte Equipment-Optimierungen vornehmen. Eine SIM-Karte werde ich mir vor Ort besorgen, denn nach dem Brexit gibt es in der UK kein Roaming mehr.
Ich werde diesen Sommer auch mit meinem Masterstudium fertig, die Erstfassung der Masterarbeit habe ich schon im Mai abgegeben (vor der Nordseeküstentour), aber die Korrekturen laufen den ganzen Sommer über. Wenn ich zurückkomme werde ich für die Defensio zu lernen beginnen. Aber das ist mein letzter richtig freier Sommer als Student, und den möchte ich ausgiebig nutzen.
Packen:
Was nimmt man auf so eine Tour mit? Einerseits will man möglichst leicht unterwegs sein, wie im Trendsport Bikepacking, andererseits will man auch nichts vermissen und vielleicht den einen oder anderen Luxusgegenstand dabeihaben. Fahrradkleidung ist natürlich wichtig, aber brauche ich wirklich eine lange Jeans oder tut es auch die Sporthose? Regensachen sind ein absolutes Muss, denn wie wir schon am eigenen Leib erfahren haben nimmt einem ein komplett durchnässter Körper etwas die Freude am Radeln. Andererseits finde ich so Grenzerfahrungen gerade spannend. Mein Luxusgegenstand ist wie auf all meinen bisherigen Touren eine kleine Massagemaschine. Die kann man mit dem Handyladegerät laden und abends die Schmerzen aus allen Gliedern hinausmassieren. Wiegt zwar ein Kilo, aber für mich ist es das absolut wert. Ein ökologisch abbaubares Shampoo, das gleichzeitig auch zum Abwaschen und Wäschewaschen dient, und mit dem man im Zweifelsfall auch mal im See oder Fluss baden kann. Eine kleine Schraubgaskartusche mit abschraubbarem Kocher, Topf, Spork und eine Gewürzmischung dienen dem leiblichen Wohl.
Zelten:
Man kann gleichzeitig Geld sparen, ist flexibler und näher an der Natur. Campingplätze gibt es auf der Insel genug, aber ich möchte auch die eine oder andere Nacht wild Campen. In Schottland ist das nach dem Jedermannsrecht erlaubt, in England nicht. Also entweder man fragt den Grundstücksbesitzer, oder man kommt spät, fährt früh und hinterlässt keine Spuren.
Fazit:
Jetzt steht der Tour eigentlich nichts mehr im Weg!
Ich werde versuchen täglich einen kurzen Artikel und ein paar Bilder zu posten, so bleibt man immer up to date. Und ich habe aus früheren Blogs gelernt: Keine Romane schreiben!
Freu mich schon auf den nächsten Blog 😀
AntwortenLöschenWie geht's dir grad mit der historischen Hitze?
AntwortenLöschenBei der Anreise in Frankreich hat sie mich erwischt, mittlerweile ist es wieder angenehm kühl!
LöschenToll geplant! Gute Reise
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