Tag 18 - Über die Berge nach Edinburgh
Heute: 80km, 700Hm
Total: 1450km, 8740Hm
Mein Zeltnachbar aus Edinburgh hat mir gestern noch einige Tipps zur Stadt gegeben, so bin ich voll gerüstet und sehr gespannt! Das wird definitiv ein Highlight auf dieser Tour. Duch zuerst muss ich noch hinkommen, denn der Weg führt mich heute über einen Berg.
Das Wetter ist weiterhin schön und kühl, in der Nacht hatte es nur 8 Grad und ich habe oben und unten drei Schichten an.
Die Natur ist wirklich unglaublich schön hier, es gibt viele Nadelwälder und die höheren Hügel und Berge sind oben kahl. Ich fühle mich stark an die höheren Regionen der Alpen erinnert. Ab und zu folgt man wieder einem Fluss und später den Glens, also lang gezogenen Bergtälern, es bleibt immer abwechslungsreich. In Innerleithen kaufe ich Mittagessen und lasse meine Kette in einem Radgeschäft anschauen (irgendetwas schleift). Dann starte ich nach Norden und den großen Anstieg für heute. Plötzlich sehe ich wie sich über einem Berg eine graue Wolke zusammenbraut. Ich packe die Regensachen ganz nach oben in die Tasche, damit ich sie griffbereit habe. Ja, und zwei Minuten später schüttet es auch schon los. Hektisch wird alles angezogen, aber nach ein paar Minten ist wieder alles vorbei und die Sonne scheint. So geht es auch noch weiter bis zum Gipfel, abwechselnd Regen und Sonne. Ich muss da echt noch entspannter werden, mich einfach kurz unterstellen oder einfach weiterradeln. Der Regen dauert nie sehr lange.
Beim Mittagessen neben einem Häuschen während einem der Schauer treffe ich John, Ende 30, aus England. Er radelt nach Schottland und dann einige Zeit durch die Highlands and Islands. Wir verstehen uns sofort und radeln bis zum Gipfel gemeinsam, und plaudern. Der Anstieg ist sehr angenehm, flacher als die ganzen Hügel, und man hat ein Erfolgserlebnis wenn man oben ist.
Am Gipfel machen wir eine Pause (wobei Gipfel mit 380m etwas übertrieben scheint) und treffen dort Ben, Mitte 40, radelt allein herum während der Rest der Familie auf Malaysia Urlaub macht. Wir essen gemeinsam und quatschen über dies und das. Dann düsen wir gemeinsam auf der anderen Seite wieder hinunter. Dabei eröffnet sich ein wahnsinns Panorama über Edinburgh und Umgebung.
Die Landschaft hier oben ist überhaupt traumhaft, ich lasse da einfach die Bilder für sich sprechen.
Kurz vor der Stadt trennen sich unsere Wege wieder, und irgendwie bin ich auch glücklich wieder alleine zu fahren, so sehr ich die Gesellschaft auch genossen habe.
Beim Campinplatz angekommen (und der ist gigantisch, die meisten sind wegen des Festivals hier) esse ich zu Abend, mein Gesicht glüht von der Kälte und dem Wind.
Heute haben meine Uhr und mein Radcomputer beide den Geist aufgegeben, morgen muss ich neue Batterien besorgen. Das heißt die Strecke und Höhenmeter heute sind etwas geschätzt.
Aber was sicher ist: Drei Viertel der Tour sind geschafft, und ein Mount Everest beradelt! Ich bin glücklich!
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