Tag 23 - Wildcampen am Highlands Pass
Heute: 78km, 730Hm
Total: 1818km, 11390Hm
Schottland ist mir alleine schon sympathisch weil überall öffentliche Klos angeschrieben sind und es öffentliche Wasserspender gibt. Ein Traum für jeden Radreisenden.
Ich folge dem Fluss Tay, der aus dem Loch Tay fließt, er ist der längste Fluss Schottlands! Das Tal ist sehr nett, mit vielen fancy Cottages. Mittlerweile bin auch ich in Schottland angekommen, bei 15 Grad (und Sonne) mit kurzen Sachen unterwegs, der Temperaturschock in Österreich wird unangenehm!
Die UK ist Land der Land Rover! Wer bei uns einen Golf fährt, fährt hier einen Defender (mein Traumauto). Wer etwas mehr Geld hat wählt einen Discovery oder Range Rover. Die Anzahl ist wirklich erstaunlich! Hier gäbe es viele (und günstige) Defender zu haben, aber leider ist das Lenkrad auf der falschen Seite. Pech für mich...
Die Autofahrer hier sind wirklich höflich, wenn sie mir auf einer Brücke entgegenkommen, wo wir auch beide gut Platz hätten, warten sie oft, bis ich vorbeifahre. Ich bleibe im Gegenzug auch oft auf den schmalen Landstraßen stehen und lasse die Autos vorbei, weil Überholen ist hier gefährlich. Aufgefallen ist mir auch, dass bei Paaren oft die Frau am Steuer sitzt und der Mann am Beifahrersitz, finde ich cool!
Pitlochry ist der letzte größere Ort vor dem Drumochter Pass, den ich heute beradeln werde. Die Städte in der Gegend sind süß und touristisch, es gibt hier wieder einen Nationalpark. Es ist nicht überlaufen, trotzdem gibt es Restaurants, Bed and Breakfasts, Souvenir Shops und so weiter. Beim letzten Geschäft kaufe ich dann mein Mittagessen und Abendessen, beides nur semi-toll, so viel Auswahl gab es nicht. Aus Angst später zu wenig zu haben überesse ich mich prompt, und mein Bauch plagt mich danach ein bisschen. Es kommt nämlich ein Schild: ab hier 30km kein Food and Shelter. Der Pass hat ganze 457m, ist aber der höchste Punkt von National Cycle Network in der UK auf dem ich fahre.
Mittlerweile hat es 23 Grad, die Sonne scheint, der Himmel blau und Gegenwind am Start. Über den Pass führen eine Autobahn, meine Straße, eine Zugstrecke und ein Fluss. Wenn ich später mal weg will, muss ich aufpassen, dass ich nicht gefangen bin. Es gibt nämlich überall Zäune, zuerst noch um Weiden und Felder, später eher zum Schutz der Bahn und Autobahn, aber trotzdem ein Hindernis. Das mit dem Jedermannsrecht ist schön und gut, aber ich muss erstmal irgendwo hinkommen, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Die gute Nachricht: am Kulm des Passes gibt es eine Unterführung unter der Bahnstrecke, die bringt mich vorbei am "no unauthorized vehicles"-Schild auf eine Schotterstraße, durch den Fluss (gar nicht drüber nachdenken) und in ein Tal hinein. Dort schlage ich mein Zelt auf, und freue mich. Denn genau das war mein Traum, mitten im Nirgendwo am Höhepunkt des Passes in den Highlands, in der Pampa umgeben von Bergen zu zelten. Sogar der Empfang ist hier besser als auf den meisten Campingplätzen.
Am Fluss finde ich einen Strand, wo ich baden, kochen und abwaschen kann. Das Wasser ist überraschend warm und klar. Als ich beginne zu kochen, kommen sie. Die Midges. Albtraum aller Schotten und Schottland-Touristen. Eine Art Fruchtfliegenschwarm der dir um den Kopf schwirrt und nackte Haut sucht, und leider auch beißen kann. Ich ziehe mich schnell ins Zelt zurück und bin froh um das Fliegengitter.
Das Gefühl alleine hier oben ist aber trotzdem sensationell! Ich genieße jeden Moment.
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