Tag 11 - Ein Reservierung fürs Fahrrad bitte!
Heute: 108km, 178Hm
Total: 896km, 4500Hm
Wenn es in der Nacht kalt ist und taut läuft das Zelt gerne innen und außen an. Die Sonne bringt einen zwar um 7 Uhr schon aus dem Zelt, weil es so heiß ist, aber das Trocknen dauert trotzdem meistens relativ lange. Geheimtipp: abwischen.
Mein Mittagessen kaufe ich in Boston, eine sehr unsympathische Stadt. Es ist mir sogar das Durchfahren schon unangenehm, und das Einkaufen erst recht. Mein Rad ist zwar abgeschlossen, aber die Taschen nicht. Normalerweise vertraue ich auf das Gute in der Menschheit, dass niemand etwas stielt, und zum Glück funktioniert das auch hier, trotz des schlechten Gefühls.
Ich fahre entlang eines Kanals und alter Bahnstrecken bis nach Lincoln. Ich komme auch an New York vorbei, und frage mich welches Land wohl die USA kolonialisiert hat?
Nach Harry Potter höre ich jetzt Sherlock Holmes Hörbücher um mich noch mehr in das Land einzufühlen. Ab und zu steigt mir der Geruch verbrannten Plastiks in die Nase und erinnert mich sehr an meine Zeit in Bolivien. Beim Mittagessen versuche ich eine Massage im Lincoln zu organisieren, denn mein Rücken ist mittlerweile ziemlich verspannt. Zum Glück ist das aber die einzige körperliche Beschwerde, die ich habe!
Leichter gesagt als getan, denn die Massagestudios sind ein paar Tage im Voraus ausgebucht. Und weit in die Zukunft planen kann ich nicht, weil sich bei mir immer alles verschiebt. Vielleicht versuche ich mein Glück einmal und telefoniere herum ob jemand noch einen freien Zeitslot hat.
Der grobe Plan ist, dass ich nächsten Samstag in Edinburgh bin und den Samstag drauf an meinem Endziel Inverness. Manche Dinge ändern sich aber nie, auch nach fast 1000km bin ich stetig von Weizenfeldern umgeben. Auch Tauben gibt es unglaublich viele, aber eine schönere Art als die Stadttauben bei uns.
Ich erreichte Lincoln und der Kontrast zu Boston könnte größer nicht sein. Es liegt auf einem Berg mit einer schönen Kathedrale im Harry Potter Stil, einer Burg und vielen süßen kleinen Gässchen voller netter Lokale. Es ist unglaublich wie verschieden Städte auf einem wirken können. Ich hole von dem netten Radgeschäft mein geliefertes Ersatzteil ab, die Montage dauert 2 Minuten.
Dann fahre ich in mein Hotel. Seit Ewigkeiten schlafe ich das erste Mal wieder allein in einem echten Bett. Das Zimmer ist sehr gemütlich, mit Teppichboden und Schiebefenstern im England-Stil, es gibt Wifi und Strom so viel man will! Nur lauwarmes Wasser ist hierzulande keine Option.Nun kommt das nächste organisatorische Problem: mein Zugticket für morgen. Online schaffe ich es nicht ein Fahrrad dazu zu buchen, deswegen fahre ich zum Bahnhof. Der Schalter hat aber mittlerweile zu, doch zum Glück hilft mir ein anderer Mitarbeiter. Es gibt in der UK über 25 verschiedene Zug-Anbieter, und jeder hat eigene Regeln was Fahrräder betrifft. Gratis mitzunehmen sind sie in den meisten Fällen, doch in manchen Zügen braucht man eine Reservierung, und genau die ist das Problem. Trotz der Anstrengungen des Mitarbeiters schaffen wir es nicht für meine Züge morgen eine Fahrradreservierung zu buchen. Auf der Strecke die ich fahren will muss ich sowieso zwei bis dreimal umsteigen und nur einer der Anbieter hat dieses Reservierungs-Problem, aber egal ob am Automaten, auf der Website oder in der App mit neu erstellten Kundenkonto: ich finde keine Fahrrad-Option. Ich suche eine alternative Route in eine andere Stadt, wo ich nur Anbieter benutze, die keine Fahrradreservierung Voraussetzung. Dort gilt aber first-come, first-serve Prinzip, deswegen buche ich kein Ticket sondern werde morgen beim Schalter nachfragen, was die beste Option ist. Vielleicht klappt das ja spontan mit der Reservierung doch noch. Die Fahrradreservierungen im Ausland waren bis jetzt immer ein eine Schwierigkeit, da können wir uns in Österreich wirklich glücklich schätzen mit nur einem Anbieter und einem sehr unkomplizierten Buchungssystem.
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