Tag 7 - Erste Müdigkeitserscheinungen treten auf
Heute: 98km, 540Hm
Total: 600km, 3220Hm
Erfahrung zeigt: vom Aufstehen bis zur Abfahrt vergehen meistens ca. 2h, auch wenn ich mich bemühe effizient zu sein. Irgendetwas gibt es immer noch zu machen. Heute zum Beispiel meine saubere Wäsche wieder in billige Obstnetze vom Hofer einsortieren.
Am Plan stehen heute 100km bis nach Norwich, der Hauptstadt von Norfolk, darauf freue ich mich schon. Am Vormittag werden ordentlich Kilometer geschrubbt, schön verlassene Landstraßen und keine großen Städte weit und breit. Die Einsamkeit hat leider den Preis der Ineffizienz, weil man ziemlich viel hin und her fährt.
Ein Wort zu den Statistiken am Anfang von jedem Blog: hier sind es im Schnitt um die 500 Höhenmeter auf 100km, was ungefähr die Hälfte von der Faustregel 1000Hm/100km in den Bergregionen in Öserreich ist. Nach fünf Tagen habe ich die 2000Hm von unserer zweiwöchigen Nordseetour in Deutschland und den Niederlanden herinnen. Dort ist es dafür oft sehr windig. Heute hier aber auch, bis zu 20m/s Seiten- und Gegenwind bringen mich an meine Grenzen.
Es beginnt auch wieder zu regnen. Leider hat es dabei um die 20 Grad, also zu kalt für "ich fahr einfach weiter und das trocknet dann schon" aber so warm, dass man unter dem Regenzeug schwitzt, und einem bei dem vielen Wind dann erst wieder kalt wird. Außerdem weiß man nie ob es gleich wieder aufhört oder gleich richtig losgeht. Und die ewigen Unziehpausen bremsen einen ziemlich aus. Ich quatsche bei einer Pause mit zwei alten Damen. Woher ich komme, fragen sie. Ich sage aus Dover. Sie sind überrascht, das ist weit weg! Ich sage "Also nicht heute, ich bin schon eine Woche unterwegs". Achso, na dann halb so wild. Wie in vielen Ländern ist hier übrigens oft Card only payment, wodurch sich ziemlich viel Cash bei mir angestaut hat.Ich will mein Handy wieder an die Powerbank stecken, aber die ist leer. Das Handy hat noch 40%, hoffentlich genug um mich nach Norwich zu bringen. Die coolen Knochenschall-Kopfhörer werden nach einer Woche Dauerbetrieb jetzt weggepackt und mich umgibt Stille. Die ersten 60km gehen immer ganz gut, aber am Nachmittag kommt oft ein Energieeinbruch. Heute ist der besonders stark. Die Beine brennen und der Wind und die Hügel lassen much kämpfen. Nach einer Woche durchgehendem Radfahren bin ich ziemlich ausgelaugt. Ich entscheide morgen in Norwich zu pausieren, und einen Ruhetag einzulegen. Hotels habe ich vorher schon geschaut, aber mit 86£ war meine Schmerzgrenze da überschritten. Ich komme drauf noch bei Airbnb zu schauen, und opfere ein paar meiner Akku Prozent. Das Einzige was aber noch niedriger ist als mein Handyakku und meine eigenen Energiereserven ist der Handyempfang hier am Land. Mit dunklem Display und Fettfinger-Abdrücken versuche ich unter dem Fahren zu schauen, die Kilometer machen sich nicht von selbst. Ich finde eine nettes Airbnb, werde aber abgelehnt, vermutlich zu spontan das Ganze. Also zurück zu Plan A und Campingplatz.
Ab und zu hole ich mein Handy aus dem Ultra-Energiesparmodus zum Navigieren, die Kilometer strecken sich ewig lange. Endlich! Es ist in Sicht! Und die Besitzer sind wirklich nett, laden meine Akkus in ihren privaten Camper für mich auf.
Ich massiere meine müden Schenkel und meinen verkrapften Rücken, die Massagemaschine war auf jeden Fall nicht umsonst. Dann gehe ich zu Fuß zu einem Pub, das tut auch mal wieder gut. Das Feeling dort ist sehr Pub-esque. Erschöpft falle ich in auf meine Luftmatratze, morgen wird ausgeschlafen!
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