Tag 13 - Hochs und Tiefs

Heute: 61km, 600Hm
Total: 1000km, 5400Hm

Die ganze Nacht schüttet es, und hört auch in der Früh nicht auf. Der Wetterbericht sagt, es soll bis 10 regnen, aber der kann sich so schnell ändern wie das Wetter selbst. Ich esse mein kaltes Müsli mit Wasser und Obst im Zelt, eigentlich hatte ich überlegt im Vorzelt zu kochen, aber dort steht das Wasser (und liegen meine Taschen). Um 11 reicht es mir und ich baue im Nieselregen alles ab, und stopfe das nasse Zelt in seinen Sack, der kommt heute extra hinten auf den Gepäckträger damit sonst nichts nass wird. Es hat 15 Grad und nieselt fröhlich weiter, und ich starte eingemummt in den Tag. Das blöde am Regen ist, dass erstens mein Handy nicht wirklich wasserfest ist, aber auch wenn es das wäre, spinnt der Touchscreen im Regen, und drückt immer wild herum. Das Wetter scheint die Einheimischen aber nicht zu stören, die gehen in kurzen Sachen wandern, Golf spielen und mit dem Hund am Strand spazieren. Wenn es hoch kommt haben sie mal einen Hut auf. Da kann ich noch was lernen! Die Straße entlang der Klippen geht sehr steil auf und ab, und mit steil meine ich bis zu 15%. Die 600 Höhenmeter spüren auch meine Beine nach einiger Zeit. Da kämpfe ich mit meiner Übersetzung ziemlich, aber Absteigen ist nicht, denn es ist eine viel befahrene Straße. Also muss man durchdrücken! Unter der Regenmontur schwitze ich ziemlich, alles ist klamm und beim hinunterfahren wird einem im Fahrtwind schnell wieder kalt. Am ersten Gipfel angelangt kommt zum Nieselregen noch Nebel dazu. Mein Frontlich hat sich in seiner Tasche anscheinend einmal selbst aktiviert und ist leer, dementsprechend muss die Taschenlampe herhalten. Ich habe auch alles Neongelbe an, was ich dabei habe (und das ist zum Glück viel). Die Autos überholen trotzdem sehr schnell und knapp. Nach nur 23km mache ich komplett erschöpft eine Mittagspause, auch um meine Sachen ein bisschen zu trocknen. Meine Motivation ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Nach über einer Stunde Rast mache ich mich wieder auf den Weg, weiter auf der Straße, denn die bringt mich schneller ans Ziel. Beim letzten Hügel für heute ziehe ich beim Hinauffahren alles bis auf mein Leiberl aus, oben kommen dann wieder zwei Jacken und ein Kopftuch dazu. Plötzlich wird es heller, und am Horizont erspähe ich einen Strand wo die Sonne scheint. Juhuu! Auf einen Schlag ist die Sonne da, der Himmel blau und ich fahre in kurzen Sachen weiter. Meine Stimmung wird sehr schnell wieder besser, und ich erfreue mich des Treibens am Strand. Mein Gemüt ist normalerweise sehr stabil, aber bei Wetter und Radltouren werde auch ich wankelmütig.
Das Grüßen unter Radfahrern ist hier auch spannend, von Handzeichen oder einem "Heya" über Nicken bis hin zu einem seitlichen Knicken des Kopfes (damit man die Fahrbahn nicht aus den Augen lässt?) und einem superschnellen über-die-Schulter-schauen alles dabei.
Nach Middlesbrough, meinem Ziel für heute, führt ein Radweg hinein - einziger Haken sind die ungelogen alle 100m auftauchenden Geländer wo man sich durchschlängeln muss. Zwei kann man ganz elegant durchfahren, bei drei muss man schon ein bisschen herumheben, und dann beginnen wieder meine geliebten Schleusen, wo man den Lenker querstellen und ab und zu sogar die Taschen abnehmen muss.
Mein Hotel ist für seine 50€ beeindruckend schäbig. Das Personal unfreundlich, kein Klopapier und kein Warmwasser. Heute wird wohl nicht Haare gewaschen, sonst erkälte ich mich am Ende noch in der Dusche.
Das Zelt trockne ich im Innenhof und im Zimmer meine ganzen Sachen.
Ein Blick auf den Tacho verrät: Ich habe die ersten 1000km geknackt! Wohoo!! Damit ist die erste Hälfte meiner Tour geschafft.

Kommentare

  1. Anonym31.7.22

    Mei du Tapferer! Klingt nicht grad gemütlich aber morgen soll die Sonne für dich scheinen!
    Alles Liebe vom Tantchen

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    1. Valentin31.7.22

      Das Wetter soll besser werden, und genau auf solches Wetter habe ich mich ja auch eingestellt. Trotzdem mühsam 😅

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    2. Anonym2.8.22

      Bewundernswert zäh bist du Valentin! Wünsche dir ab jetzt gutes Wetter für gute Launen und Freudvolles fahren....

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