Tag 27 - Odyssee nach Edinburgh

Die Kilometer werden sich auf dieser Reise nicht mehr ändern, aber ich bin stolz auf die Zahl! Knapp 2000km und über 12.000 Höhenmeter, das kann sich schon sehen lassen! 
Unter all dem Trubel der Heimreise geht aber die Freude darüber, es geschafft zu haben noch etwas unter. Vielleicht holt es mich ja in Österreich ein.
Heute habe ich besser geschlafen, trotz wieder lauter Nachbarn (diesmal eine afghanische Familie). Ich packe meinen Fahrradkarton etwas um, das Zelt und die Schlafsachen sowie Helm, Radschuhe und Lenkertasche finden irgendwie noch Platz.
Das Wetter ist seit gestern Abend endlich wieder schottisch - Nebel rundherum. Heute Abend und morgen soll es auch regnen, auch in Edinburgh. Ich hoffe ich finde eine Unterkunft für meinen Karton!
Um 12 geht dann mein Bus nach Inverness, der Weg zur Haltestelle ist zwar mühsam, aber es funktioniert. Erster Schock: der Busfahrer will mich mit dem großen Karton nicht einsteigen lassen. Ein bisschen gutes und höfliches Zureden bringt ihn aber dazu mich doch mitzunehmen. Am Weg von der Bushaltestelle zum Bahnhof verliere ich auf dem holprigen Untergrund drei Mal meine Räder, ich habe nämlich nur braunes Verpackungsband, und dessen Klebekraft ist begrenzt. Zum Glück habe ich eine Stunde zum Umsteigen! Aus einer Stunde werden dann aber drei, denn mein Zug wurde gecancelled, und ich muss den nächsten nehmen. Das heißt ich werde erst gegen 7 oder 8 am Campingplatz ankommen, ich hoffe das klappt!
In der Zwischenzeit versuche ich eine andere Art die Räder zu montieren: durch Löcher im Karton durchstecken. Funktioniert aber noch weniger. Also öffne ich den Karton wieder und hole die Notreste Gaffatape heraus, und tape die Räder damit fest. Hoffentlich hält das ein bisschen länger!
Als der Zug bereit ist schüttet es schon, ich renne zum Fahrradabteil und schnalle den Karton fest. Erster Halt ist Aviemore, mein letzter Stop vor Inverness. Sprich jeder Tag auf dem Rad ist eine Haltestelle im Zug, und die Woche mit Pedalen ist in dreienhalb Stunden wieder zurückgefahren. Es ist witzig an all den Orten erneut vorbeizukommen, ich schaue öfter aus dem Fenster und denke an den Moment, als ich genau diese Straße hinaufgetrampelt bin, an diesem Castle vorbeigeradelt bin und freue mich besonders, als ich meinen wilden Schlafplatz am Pass sehe.
Der Zug verspätet sich gleich am Anfang, und aufgrund der teilweise eingleisigen Strecke und dem Abwarten entgegenkommender Züge verspäten wir uns immer mehr. Dann kommt die Durchsage: der Zug endet aufgrund der Verzögerung bereits in Perth, einige Stationen vor Edinburgh. Als Ersatz wird eine Verbindung mit einmal Umsteigen in Stirling vorgeschlagen. Der erste der beiden Züge hat dann aber auch eine halbe Stunde Verspätung, so wird der Umstieg in Stirling ein hektisches Karton Stiegen hinauf und hinunter schleppen, aber ich erwische gemeinsam mit sehr vielen anderen Leuten den Anschlusszug.
Es ist halb 9 Uhr als ich in Edinburgh ankomme. Heute gibt es zwar weniger Fotos, dafür aber 15 Screenshots von möglichen Zugverbindungen.
Mittlerweile spiele ich mit dem Gedanken direkt zum Flughafen zu fahren, und dort irgendwie die Nacht zu verbringen. Denn die extra Busfahrten mit dem riesigen Karton im Regen muss ich nicht unbedingt haben. Ob sie mich am Vorabend in den Flughafen lassen ist eine andere Frage. Anderer Notfallplan: wildcampen eine Bimstation vor dem Flughafen und hoffen, dass ich den Karton irgendwo unterstellen kann - es soll nämlich die ganze Nacht durchregnen. Not-Notfallplan: Karton am Flughafen bei der Gepäckaufbewahrung abgeben und mit leichtem Gepäck zum Campingplatz fahren. Keine der Optionen ist so wirklich super. Ich hätte noch etwas zu essen, aber Wasser müsste ich noch besorgen. Dann könnte ich mir beim Wildcampen sogar noch ein Abendessen kochen. 
Um 9 erreiche ich den Flughafen, so nah und doch so fern! Sehr einladend zum Schlafen sieht der Eincheckbereich noch nicht aus. Ich hole mir erstmal zwei Flaschen Wasser und koche draußen meine Tortellini. Dann verplempere ich die Zeit bis die letzten Flüge landen und abfliegen und suche mir ein ruhiges Örtchen.

Kommentare

  1. Anonym15.8.22

    Guuuten Flug! Lg F

    AntwortenLöschen
  2. Julia15.8.22

    Oh mein Gott. Das ist ja mal eine Reise

    AntwortenLöschen
  3. Anonym15.8.22

    Konntest du dann irgendwo schlafen?
    Ich wünsch dir eine gute Heimkehr! G

    AntwortenLöschen
  4. Anonym15.8.22

    Oh mein Tintifaxi. Bleib flexibel. Ich hoffe du bist jetzt schon in Österreich oder noch besser - zuhause. Gute Nacht. Dad

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen