Tag 10 - Planänderung

Heute: 94km, 390Hm
Total: 788km, 4322Hm

Die Pop-Up Campsite ist auf einem riesigen Anwesen: Holkham. So Anwesen sehe und durchfahre ich heute noch einige. Es gibt schlossähnliche Häuser, riesige Wiesen, ein Kreisverkehr mit Obelisk mitten in der Pampa. Dann geht es wie auf einer amerikanische Autobahn schnurstracks über die Hügel, und auch das verdorrte Gras gibt einem das Gefühl in der Prärie gelandet zu sein.
Ich habe heute beschlossen noch bis Lincoln zu radeln, das dauert zwei Tage, dort hole ich mein Ersatzteil für die Tasche ab und schlafe wieder mal in einem Hotel, und am Samstag werde ich dann kurz in den Zug steigen und nach Scarborough fahren. Damit spare ich mir 200km, die hole ich aber durch Unwege locker wieder rein. Grund dafür ist, dass ich nicht gestresst ein "Tagespensum" erreichen muss, um mit der Zeit auszukommen, und mir auch noch ein paar Sachen anschauen kann. Innerlich fühlt es sich natürlich nach Betrug an, am liebsten wäre ich die ganze Strecke geradelt. Aber stressen will ich mich im Urlaub auch nicht.
Zurück zur Tour: Die aktuellen 20 Grad sind eine Temperatur an der Kippe, einerseits schwitzt man beim Bergauffahren in der Sonne, aber bergab ist die Luft doch kühl. Die Kleidungswahl fällt dementsprechend schwierig.
Was mir den Tag versüßt ist die mittels Kabelbinder an den Lenker geschnallte Box, auf den Landstraßen ist man meistens alleine und kann ungestört Musik genießen.
In Kings Lynn esse ich zu Mittag, kaufe ein Pflaster für meine Beinwunde die immer noch nässt und gehe zu einem Fahrradgeschäft, weil meine Scheibenbremsen schleifen. Der Besitzer schenkt mir neue Bremsbeläge aus einem alten Fahrrad, sonst hätte er gar keine gehabt. Außerdem füllt er mir mein Wasser auf und schenkt mir noch ein Sackerl Elektrolyttabletten. Wir Radler halten zusammen!
Dann kürze ich die Route etwas ab, fahre statt kreuz und quer durch die Landschaft auf dem Radweg geradeaus auf einer größeren Strasse und somit nur 80 statt 110km, wobei das am Ende doch wieder um einige mehr werden - so wie immer. Eine nette Abwechslung, es ist flach und die Straße gut und gerade, und es ist auch nicht zu viel los. Mit leichtem Rückenwind düse ich mit bis zu 30km/h durch die Landschaft.
Meinen angepeilten Campingplatz finde ich nicht, der sollte auf einer Farm sein aber da ist weit und breit kein Camper oder Zelt. Ich frage eine Dame, die mir auch einen Weg sagt. Im besagten Innenhof finde ich aber nur zwei Hunde in einem Käfig die mir ungelogen bis zur Brust gehen. Ich beschließe mein Glück beim nächsten Campingplatz zu probieren. Der hat auch ein Pub dabei, und ich weiß nicht ob es deswegen ist, aber die Leute hier sind plötzlich sehr anders. Keine Pensionisten mehr, eher Familien und coole Jugendliche - aber alle ein bisschen proletig - auf eine sympathische Art? Und anscheinend typisch englisch hart im nehmen, ich sitze mit der Jacke da und alle anderen in kurzen Sachen. 
Die Campinplätze über den Onlineauftritt einzuschätzen ist wirklich schwer. Manche scheinen seltsam aber sind total klein und nett, manche schauen ok aus und sind riesige Anlagen wo Camper wie Sardinen aufgereiht sind.
Nach einem ausgiebigen Abendessen bin ich bereit für das letzte Stück nach Lincoln morgen!

Kommentare

  1. Anonym28.7.22

    Freut mich sehr, sass du viel Gastfreundschaft erlebst. Ich habe das in England 1976 auf Interrailtour ähnlich erlebt. Wir sind mit dem Zug damals bis Inverness gefahren, bis ans Ende der Bahnstrecke. Finde ich gut, dass du ein Stück mit dem Zug fährst, der Norden ist sehr schön! Lg Friedrun

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Valentin29.7.22

      Freu mich schon sehr auf die Landschaft! Und auch auf die Leute. Zugfahren ist aber (zumindest mit Rad) gar nicht mehr so einfach..

      Löschen
  2. Anonym29.7.22

    Proletig passt ja zur Box am Lenker :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Valentin29.7.22

      Ich probier mich zu assimilieren 😂

      Löschen

Kommentar veröffentlichen