Tag 12 - Norden, ich komme!

Heute: 45km, 304Hm
Total: 941km, 4804Hm

Das Hotel ist ein "staffless hotel", das heißt jede Türe hat ein Nummernschloss wo man die Codes aus dem Email eingeben muss. Das Selbstbedienungsfrühstück ist überschaubar, es gibt Porridge aus der Dose, wie Instantnudeln mit heißem Wasser zu übergießen, und Cornflakes.
Um kurz nach 8 bin ich am Bahnhof und kaufe am Schalter ein Ticket nach Bridlington, mit nur einmal Umsteigen und ohne Reservierungspflicht. Von dort sind es zwar noch 40km bis Scarborough, wo ich eigentlich hinwollte, aber ich bin schon zu Mittag dort. Die Dame bucht mir auch die beiden Zugtickets separat, dann kostet die Reise statt 60 nur 30 Pfund, hat sich also schon ausgezahlt. Im Zug schaue ich mir die ausgedruckte Verbindung noch einmal an, und sehe, dass der zweite Zug die Enddestination Scarborough hat! Also genau die Verbindung die Google Maps vorgeschlagen hat, und keine der UK-Websites finden konnte. Beim Umstieg in Doncaster kaufe ich noch das Ticket für das letzte Stück. Viel Drama um Nichts! Die Streiks der englischen Bahnbediensteten haben mich heute zum Glück verschont, dafür setzt sich die Vorliebe für Teppichböden auch in Zügen fort. 
Zu Mittag starte ich los aus Scarborough, es ist kühler und regnet, und auch die Natur ist irgendwo zwischen wucherndem grün und kahlen Highlands. Men merkt, dass der Norden begonnen hat.
Ein cooler Rad-/Wanderweg führt entlang der Küste, und ab und zu zwinkert schon das Meer zwischen den Hügeln durch. 
Ich komme durch die Robin Hood Bucht, bei den Wäldern hat sie den Namen auch echt verdient. Bergab kommen dann viele Schlaglöcher und große Steine, ich navigiere hochkonzentriert und hoffe, dass alle Speichen überleben. (haben sie)
Kurz vor Whitby überlege ich noch weiter zu fahren als geplant, aber nach dem Einkaufen und einem Kurzbesuch bei der Abbey sehe ich in der Ferne eine graue Regenwand auf mich zukommen. Da verkrieche ich mich lieber im Zelt. 
Es beginnt schon zu nieseln als ich bei meinem auserkorenen Campingplatz an der Steilküste ankomme. Die nehmen aber keine Zelte! Sie leitet mich weiter, und der nächste Campingplatz nimmt mich zum Glück auf. Im mittlerweile stärkeren Regen baue ich das Zelt auf, und versuche nicht alles nass zu machen. Als ich fertig bin hört der Regen natürlich wieder auf. Aus einer meiner Taschen kommt mir der schöne Geruch von rotem Pesto entgegen, das ist ausgelaufen und alles ist schön rot und fettig. Aber ich muss eh bald Wäsche waschen, mir gehen die Socken aus. 
Morgen früh soll es bis 10 regnen, also raffe ich mich auf, noch einmal das Zelt zu verlassen und mache einen kleinen Abendspaziergang zur Abbey und der Steilküste. Wirklich schön hier!
Das Problem habe ich öfter, abends hat man endlich das Zelt aufgebaut, geduscht und gegessen, und dann noch einmal loszustarten fällt schwer, dabei bin ich ja auch hier um mir Sachen anzuschauen. Tagsüber mache ich das oft nicht weil "ich muss ja noch x Kilometer fahren". Ein komisches Zwischending aus "gemütlicher Urlaub mit Sightseeing" und "Zerstörungstour, wo es nur um die Kilometer und die Enddestination geht". Manchmal schwer unter einen Hut zu bringen, gerade wenn man schon ein Rückflugsdatum hat.

Kommentare

  1. Anonym31.7.22

    Da finde ich es landschaftlich wunderschön! Wie war Scarborough? Gibt es nicht einen Song über diese Stadt von Simon und Garfunkel? lg Friedrun

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  2. Valentin31.7.22

    Die Landschaft ist auf jeden fall beeindruckend, die schönste auf der Reise bisher! Scarborough habe ich nur im Durchfahren gesehen (wie so oft), hat mir aber gefallen!

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