Tag 6 - Beschilderung
Heute: 92km, 530Hm
Total: 500km, 2680Hm
Am liebsten fahre ich Flussradwege oder in Tälern, da ist immer klar wohin man muss und man merkt es schnell wenn man falsch fährt. Hier im Flachland führt der Radweg teilweise in sehr verwirrenden Bahnen, und sobald man ein Schild übersieht ist man schnell verloren. Deswegen bin ich sehr froh um mein Handy und die sorgfältig vorbereitete Route. In Städten sind oft "Community Stadium" oder "Buisness Park" angeschrieben, was für Locals sicher interessant ist, aber ich würde lieber die nächste Stadt angeschrieben sehen. In Städten passiert es generell gerne, dass man sich verfährt und unabsichtlich die Route in die andere Richtung findet.
Was ich super finde ist das Sticker-System, die Route hat zwar ab und zu auch echte Schilder, aber großteils sind nur Sticker an Laternenpfosten geklebt. Viel einfacher und günstiger, und weil es mehr gibt auch schwerer zu übersehen.
Ich fahre heute von Colchester, der "ältesten Stadt Englands" und Hauptstadt der Grafschaft Essex nach Suffolk. Morgen sollte ich es nach Norwich schaffen.
Die Oberschenkel brennen mittlerweile, gerade nach Pausen oder am Morgen. Es ist heute heiß und auch recht windig, wobei der nicht aus einer bestimmten Richtung kommt. Die Landschaft ist mittlerweile auch etwas eintönig, es gibt viele Felder und Hügel, und Hecken um die Straßen. Heute ist auch der erste Tag wo ich mich etwas einsam fühle, und meine Freundin vermisse.
Sonntage sind normalerweise wegen geschlossenen Geschäften der Feind von Radtouren, aber hier ist auch am Sonntag viel offen. Ich esse meinen gekauften Apple Crumble Pie mit zwei alten Damen, die meine Reise zwar nicht verstehen aber trotzdem ziemlich feiern.
Nach Ipswich führt der Radweg durch viele Vorstadt-Siedlungen im Reihenhausstil, oder in den reicheren Gegenden Reihen-Einfamilienhäusern. Ich fühle mich wieder einmal wie in Harry Potter. An solche Orte würde man mit dem Auto nie fahren, geschweige denn, wenn man öffentlich reist. Auf dem Rad bekommt man viel mehr vom "normalen Leben" der Leute mit, und das finde ich super!
Auch sehr cool finde ich die ganzen mittelalterlichen Kirchen mit ihren verwunschenen Gräbern. Auf diesem gab es zum Glück auch Blumen und daher Wasser, wo ich meine Flaschen auffüllen konnte.
Am Campinplatz wasche ich meine Wäsche das erste Mal, mit dem Geschirrspülmittel einer netten Dame. Etwas anderes gab es nicht. Als auch noch die Waschmaschine streikt hilft mir ein Mitarbeiter vom Campingplatz und auch wir haben wieder einen netten Plausch. Die Leute quatschen wirklich gerne und auch sehr nett, da fühlt man sich gleich gar nicht mehr so alleine. Andererseits sind um mich Großfamilien mit drei Autos und zwei Riesenzelten angerückt und grillen zu zehnt ihr Abendessen, also ganz alleine ist man eh nie.
Lieber Vali, jetzt bist du wohl in den Mühen der Ebene gelandet. Dein Optimismus ist jedoch beeindruckend!
AntwortenLöschenLg vom Tantchen
Schön, wie und was du erlebst, Valentin (bis auf den unfreiwilligen Bodenkontakt)... ja, beim Radfahren sieht man viele Details, die Autofahrer nie sehen würden und trifft viele Menschen... und das AlleinSein hat auch was... Take care! And enjoy! G
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